Memoiren eines Freaks – London Kurztrip Teil 2
Nachdem ich euch hier bereits von Teil eins meines London Kurztrips erzählt habe, folgt hier nun Teil zwei eines sehr abgefahrenen Wochenendes:
Wie bereits erwähnt, endete Tag eins für mich mit einem schlechten Horrorfilm. Tag zwei hingegen begann nach einer kurzen 3-Stunden Nacht um 4Uhr morgens in Calais. Nach einer kurzen Kontrolle des ganzen Busses durch britische Zollbeamte, fuhren wir auf das Wartefeld zur Fährüberfahrt.
Dort angekommen hieß es, wir hätten 30 Minuten Zeit bis die Fähre kommt. Also beschloss ich mit einigen meiner Mitstreiter auszusteigen und das Klo aufzusuchen um kurz Wasser zu lassen und schnell die Zähne zu putzen. Allerdings wurden wir nach kaum 30 Sekunden Aufenthalt im saubersten Klo der ganzen Reise (RESPEKT!) zurück zum Bus beordert. “Schnell, wir können doch schon auf die 4:15Uhr Fähre!”, hieß es – Ich muss dazu anmerken, man sollte nicht DAS unseriöseste Mädchen aufs Jungsklo schicken um uns zurück zum Bus zu beordern – also lächelten wir ihr nur müde mit Zahnbürste im Mundwinkel entgegen, wobei sich einige “Ach, halt die Schnauze!” unter eine Reihe Stinkefinger mischten.
Der folgende 100m Kurzsprint zum Bus wurde in Rekordverdächtigen 3min zurückgelegt, was natürlich ein wenig Anschiss im Bus zur Folge hatte – allerdings waren wir alle zu müde um dem etwas Großartiges entgegenzusetzen.
Die Fährüberfahrt selbst war relativ relaxt. Während einige versuchten zu schlafen und andere mit Übelkeit kämpften, schnappte ich mir 3 Mädels und ging aufs Oberdeck. Also dorthin, wo einen die Wellen und der eiskalte Wind wachhielten. Nach einigen kitschigen Titanic-Style Bildern verzogen wir uns wieder nach unten, wo ich auch schon auf die erste von vielen #FAILs stieß.
Wie es scheinte, hatten zwei etwas ältere Passagiere vergessen ihre Euros in Pound zu wechseln und so versuchten sie nun krampfhaft Euros an einem Automaten zu wechseln. Das der Wechselkurs aus einem Euro grandiose 52Pence gemacht hat, schien ihnen dabei egal. Das Beste kommt jedoch erst: die Beiden standen keine 2m von der Schiffseigenen Wechselstube entfernt wo der Kurs aus einem Euro unglaubliche 90Pence machte. Ich habe sie also auf ihren Fauxpas hin bemerkt und erntete ein wenig Lob. Hooray! – ;D
Nach einer guten Stunde war die Fähre schliesslich in Dover angekommen und um 6Uhr war es nocheinmal ganz interessant die weissen Klippen zu sehen und den – zugegeben – sehr seltsamen britischen Linksverkehr zu beobachten. Ich gönnte mir eine weitere Stunde Schlaf, da der Linksverkehr dann doch recht schnell an Spannung verlor…
7Uhr morgens und die nette Stimme unseres Busfahrers Markus weckt mich und die Anderen. Und siehe da: Wir sind in einem Vorort von London!
Backsteinhäuschen, Stahltore, verratzte Lädchen, kleine Imbissbuden wie das “Chinese Ricehousehouse” und Pubs wie der “Drunken Sailman” erfüllten gleich meine ersten Vorurteile. Je weiter wir in Richtung Londoner Innenstadt vorpreschten umso schöner wurde es. Die verratzten Läden weichten den weniger verratzten Läden und die Pubs den Cafés. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt – über die London Bridge, die Tower Bridge, an der Themse und dem London Eye entlang in Richtung Houses of Parliament und Picadilly Circus – ließ uns Markus in der Nähe des Picadilly Circus raus.
Nach einer kurzen Bestandsaufnahme und der Feststellung, dass ich nicht der Einzige bin der ein wenig übermüdet wirkt, ging es zur Underground Station um dort die Tagestickets zu kaufen.
Jeder hatte so seinen ersten Kontakt zu einem waschechten Engländer am Ticketschalter. Ein Schlacks, rote Haare, Sommersprossen und Pollunder sowie fast schon bedrückender – nein, ERdrückender Mimik schniefte jedem mit einem gezwungenermaßen freundlichen “Hello there.” entgegen.
Na die Freundlichkeit in Person sieht anders aus.
Ich schloss mich einigen Kumpels an, die ersteinmal die Oxford Street nach einem Kaffee und einem English Breakfast abklappern wollten. Wie sich später rausstellen sollte, wären sie ohne meine Fähigkeit den (wirklich unkomplizierten) Undergroundplan zu lesen, wahrscheinlich sowieso nicht arg weit gekommen. Ich entschied für die Gruppe, die Bakerloo Line Richtung Harrow zu nehmen und dann am Oxford Circus auszusteigen. Anscheinend war es für einige jedoch zu früh, da auf irgendeine Weise nur 8 von 10 Leuten am Oxford Circus ankamen…
Dort angekommen erblickten wir London als eine tote Stadt. Wir waren schlicht und ergreifend ein wenig zu früh angekommen – vor 9 Uhr scheint kein Einheimischer auch nur einen Finger zu rühren in dieser Metropole… Wir schlenderten die Oxford Street hinauf und hinab, beinahe wie ein hungriges Raubtier warteten wir darauf, dass endlich ein Laden aufmacht – bis wir uns um Punkt 8Uhr nicht entscheiden konnten, wo wir hin sollten – einfach alles sah interessant und gut aus.
Also führte unsere Planlosigkeit zu unserem zweiten Kontakt mit einem Engländer. Wir fragten einen Police Officer: “Excuse me, Sir. Do you know where we can find the BEST English Breakfast in town?” – er packte daraufhin den dreggichsten Akzent aus und meinte: “Well, you just go down there, and right behind that McDonalds you keep on the right hand side – and there it is – a little Café called “Little Portland”, they have the best breakfast for you!”
Wir bedankten uns und schlenderten in Richtung “Little Portland” – allerdings wollte keiner ausser mir dort etwas essen, da der Rest komplett auf höhe des McDonalds stehen blieb.
Ich ging davon aus, es wäre jemand bei mir und lief genüsslich in die Seitengasse, die der Officer beschrieben hatte.
Als ich im Café ankam wurde mir klar, wie Scheisse ich aussehen müsste. Ich öffnete die Tür und das erste was ich zu hören kriegte war ein: “Ohhh, boy! You look like you’d need a good English Breakfast!” – Total baff, wusste ich nicht was ich sagen sollte wurde jedoch von einem meiner Kollegen aus meiner etwas seltsamen Situation befreit, als dieser mich aus dem Café schliff und meinte: “Wir frühstücken beim Mägges!”
Der Mann hinterm Tresen hielt mich bestimmt für einen Legastheniker, weil ich krampfhaft noch versuchte zu verstehen was er mit krakeliger Handschrift auf seine Speisekarten-Tafeln gekritzelt hatte. Aber wie das Schicksal es so wollte war mein heiß ersehntes, erstes “real English Breakfast” in einem Londoner McDonalds…
Wie der Tag weiterging und welche abgefahrenen Erfahrungen noch auf mich lauern sollten, lest ihr in Teil 3 meiner Memoiren eines Freaks – also: haltet die Augen offen!
Tags: Bus | lecule | london | Oxford Street | Portland | Trip






Hi und vielen Dank. Deinen informativen Bericht habe ich genau rechtzeitig gefunden, da ich am 12.2. die gleiche Tour vor mir habe. Ich denke am schlimmsten werden die Stunden sein, bevor wir uns wieder zur Abfahrt im Bus zusammenfinden, da es ja wohl erst gegen 22-23 Uhr wieder los geht. Unser Treffpunkt ist Marble Arch. Leider ist mein English ähnlich ” a small vocabulary” Wird schon schief gehgen. Jedenfalls ist deine Trip-Beschreibung eine große Hilfe für mich, also vielen Dank für die Mühe. Bin gespannt ob ich noch rechtzeitig den 4 Teil lesen kann
Hi Ursel!
Gerade die Busfahrt und wie du schon sagtest, die “toten” Stunden bis zur Abfahrt sind eigentlich das Schlimmste. Und wenn du wie ich im Bus nich gut schlafen konntest, wirst du wahrscheinlich ohne Kaffee nicht auskommen. Ausserdem empfehle ich dir, NICHT beim McDonalds zu frühstücken ;P
Alles in allem kann ich dir sagen, dass ich London als eine sehr verrückte und (nach 9Uhr) lebendige Stadt wahrgenommen habe. Aber ohne die One-Day-Tickets für den Underground-& Busverkehr, ist man ziemlich aufgeschmissen. Ich hätte ja gerne noch Madame Tusseauds angeschaut, aber 20£ sind Wucher. Das Touri-Programm ist an für sich ein großes,großes Loch das dir viel Geld aus der Tasche zieht, wenn du alles sehen willst…
Um kurz vor der Abfahrt noch ein wenig Zeit zu vertrödeln, bietet sich die Oxford Street an. Wenn du schon 18 bist, empfehle ich dir die Pubs rund um die Blocks. Dabei ist es eigentlich egal, welchen du dir aussuchst da alle Londoner Innenstadtpubs zu einer Art Kette gehören. Und lass die Finger von asiatischem Essen in Chinatown – das “gute” Fleisch geht dort nur an Asiaten, die auf chinesisch bestellen. Das klingt ein wenig seltsam, is aber tatsächlich so.
Ansonsten gilt: offen sein für alles, höflich gegenüber jedem und allem sein (‘excuse me’ ist nie unangebracht) , auf der Rolltreppe in der Underground IMMER rechts stehen und: Spaß haben