Memoiren eines Freaks – London Kurztrip Teil 3
Wie bereits versprochen, gibts hier Teil 3 meines Kurztrips nach London. Falls ihr schon wieder alles vergessen, oder einfach alles verpasst habt, gehts hier zu Teil 1 und Teil 2.
Wie ihr bereits erfahren habt, war mein erstes “real” English Breakfast in einem Londoner McDonalds. Zugegeben, ich war schon sehr enttäuscht von meinen Mitschülern, die sich nicht auf ein echtes breakfast einlassen wollten. Zugleich war ich aber auch einfach nur müde und meine Gier nach Kaffee ließ sowieso alles um mich nebensächlich werden…
Leider sollte sich eben diese Gier als nichts Gutes erweisen.
Ich beorderte ein “Mc Schau mich nich so blöd’ an, du dumme Schnepfe – ICH BRAUCH KAFFEE UND ESSEN!”-Menü* und setzte mich mit meiner vom bekannten Ambiente begeisterten Begleitung an einen Tisch. Wie zu erwarten war, schmeckte mein Spiegelei-Toast nicht nach “welcome to England” ,sondern eher nach “fuck you, go home!” und passenderweise verbrannte ich mir meinen Gaumen am Kaffee. Ich suchte den Becher krampfhaft nach fehlenden Warnhinweisen ab um diesen Saftladen, ganz amerikanisch, auf Schadensersatz verklagen zu können, fand jedoch am oberen Becherrand ein kleines “May contain hot drinks, beware while drinking.”. Na klasse…
Nachdem jeder aufgegessen hatte, beschlossen wir zurück zur Oxford Street zu schlappen und zu schauen, ob sich mittlerweile etwas rührt.
Tatsächlich waren auf einmal alle Geschäfte offen und hunderte von Menschen schlenderten den Bürgersteig entlang. Die Mädels drängten darauf, unbedingt shoppen gehen zu wollen, also gingen wir in den TopShop. TopShop ist so in etwa wie H&M, nur um einiges größer, um einiges freundlicher, um einiges qualitativer und um einiges Spacko-freier. Als allererstes fielen mir die vielen Helferlein auf, die einen immer und überall beraten, dir dabei allerdings gekonnt nicht auf die Nerven gehen. Während sich die Mädels im eigentlichen TopShop (ca. 2/3 des Stores) auf die Suche nach diversen neuen Outfits machten, verschlug es mich mit den andren 3 Jungs in den TopMan, der wie der Name sagt, speziell für Männer ist. Nachdem wir uns ersteinmal ein wenig umgesehen hatten, fragten wir uns alle wo denn die “hetero-Abteilung” ist. Ehrlich gesagt, hab ich nichts gegen Schwule, aber der Laden war größtenteils schon sehr, sehr karibisch – um nicht zu sagen, vom anderen Ufer. Anscheinend scheint das dort der Trend zu sein, hoffen wir mal, dass das nicht allzu bald hier hinüber schwappt. Überraschenderweise fanden wir alle noch ein paar ansehnliche Klamotten, sodass es diverse neue Hosen und Shirts gab. Ich gönnte mir übrigens ein T-Shirt und einen Kapuzenzipper.
Als wir den Laden verließen, hatte London etwas von einer anderen, kunterbunten, abgefahrenen Welt. Die Oxford Street wurde komplett(!) gesperrt, da die Massen an Städtern und Touristen die Bürgersteige schlicht und ergreifend überfluteten – wie jeden Samstag. Anscheinend witterte jeder noch so kleine Shop seine Chance neue Kunden anzulocken, sodass sich Maskottchen wie Mario, Sonic und der Pringles-Man unter Gesangschöre, Blue Man Group-Verschnitte und Infostände mischten und zusammen eine Art allgemeinen Drogenrausch darstellen. Uns Jungs war das zuviel, sodass wir ersteinmal in den nächsten Multimedia-Store flüchteten, den HMV.
HMV ist keine Abkürzung für ein tödliches Virus, sondern steht für Hi-Fi, Music, Video – und gerade davon gab es auf 3 Etagen mehr als genug zu entdecken.
Wir teilten uns auf, sodass sich jeder ersteinmal einen Überblick über den Laden verschaffen konnte. Ich ging direkt zum “Tony Hawk Ride”-Stand, um diese neue Gamingerfahrung mal gemacht zu haben. Ich bin ja ein begeisterter Anhänger der Tony Hawk-Serie und hatte davon auch schon gehört, bin hier in Deutschland allerdings nie darauf gestossen. Das Innovative an diesem Spiel ist, dass man wie beim echten Skaten auf einem Brett steht und so das Spiel steuert. Ich dachte mir müsse das leicht fallen, als ex-Skater, aber wie sich herausstellte war mein Können von eher geringem Ausmaß, sodass ich schnell wieder aufgab und weiter schlenderte.
Nach einer Viertelstunde aufgeregten Stöberns, trafen wir uns alle am Infoschalter wieder. Wir durchsuchten noch ein Weilchen die Musikregale bis wir in der Techno/Trance-Abteilung auf den Gag des Tages stießen. Ich schaute die Einschieber der verschiedenen Musiksorten und die darin enthaltenen CDs durch, als ich auf einen Einschieber mit dem Titel “Gay Hardcore-Trance” stieß. Ich zog die CD heraus und mir lächelte der, nunja, vor Öl glänzende Gayboy vom Cover entgegen. Oben drüber stand noch in großer Schrift “I’m in love with a boy Vol. 17″ – allein der Gedanke, dass es 16 Vorgänger zu diesem Compilation-Album geben muss, trieb mir das Pipi in die Augen vor Lachen. Wir entschlossen uns dazu, einen Scherz daraus zu machen und nach kurzem Schnick-Schnack-Schnuck war meine Stunde gekommen. Ich ging zum Infoschalter und fragte den shop assistant: “Excuse me sir, do you sell gay hardcore trance?” ,zwinkerte ihm entgegen und musste mir ein “Wow, I like your HAAAAAAAAAAIIIIIR” verkneifen. Der arme Mann schaute mich recht verwundert an und tippte etwas in seine Suchmaske am Rechner. Als er sah, dass sie tatsächlich Gay Hardcore-Trance verkaufen, wollte er mir noch ganz höflich zeigen wo ich die Abteilung finde und fragte mich auch, ob ich mir das neue Album vorbestellen möchte. Ich konnte mein Lachen nicht verkneifen, besonders weil die andren Jungs im Hintergrund schon Rotz und Wasser aus sich herausprusteten und meinte nur: “Oh god, boy. I was just kidding! But nice service anyway. By the way, do you sell the Prodigy merchandise?” ,woraufhin er mir grimmig ein “Are you serious?” entgegenwarf. Ich hatte wohl den goldenen Infostand-Kodex gebrochen – aber allein seines Gesichtsausdrucks wegen, hatte es sich gelohnt. “Dead serious” ,erwiderte ich und er meinte, dass leider alles ausverkauft sei. Ich glaubte ihm, da ich zuvor auch kein the Prodigy Merchandise gefunden hatte.
Nach einem kleinen Abstecher in einen ,von einem Inder geführten, Souvenirshop ging es dann auf eine kleine Sightseeingtour. Wir machten Abstecher zum Buckingham Palace, zur Westminster Abbey und zum Houses of Parliament sowie zum London Eye und erkannten, dass alles genauso langweilig war, wie es im Städteführer aussah.
Zufällig trafen wir ein paar andere Mitschüler und tauschten ein wenig die Gruppenkonstellationen aus. Ich schloss mich der Gruppe an, die etwas Essen gehen wollte, da es mir nach einer Sitzmöglichkeit und etwas zu Trinken war. Wir endeten in einem kleinen Pub, indem ich meine erste richtige Pint Bier genoss und mir von der durchaus netten Kellnerin ein nachträgliches Geburtstagsständchen anhören durfte. Sie hatte mich zuvor nach meinem Alter gefragt, da man in England erst ab 18 Alkohol trinken darf. Außerdem fragte sie ob ich aus Manchester sei, weil ich so seltsam redete. Ich erklärte ihr, dass ich mich morgens an einem Kaffee verbrannt hatte und deshalb ein wenig seltsam klinge, zeigte ihr meinen Ausweis und sie fing spontan an zu trällern. Und auch wenn es nicht gerade gut war, war es doch herzlich. Nachdem wir gut 2 1/2 Stunden dortblieben und mit Alice, der Kellnerin, eine echte “Teatime” hatten, wollten wir zurück in die Innenstadt.
In der Innenstadt angekommen, war die Oxford Street – zu unserem Erstaunen – immernoch gesperrt. Es waren noch mehr Passanten unterwegs und mittlerweile gesellten sich noch einige weihnachtsmarktsähnliche Stände zwischen Mario, Sonic und die “Blue Man Group experience”.
Drei Mädels hielten uns an und fragten ob wir folgendes Lied kennen würden… “The weather outside is frightful, la la la” – Ich erkannte, dass das “Let it Snow” ist und sang: “But the fire is so delightful” ,woraufhin ich wieder gefragt wurde ob ich aus Manchester sei. Einmal mehr erzählte ich meine Kaffee-Story und sagte den Mädels, dass das Lied welches sie suchen “Let it Snow” ist. Sie bedankten sich und wir liefen weiter downtown. Wo wir uns einmal mehr trennten, da ein paar Leute nocheinmal die Stadt unsicher machen wollten, bevor es zum grande Finale mit der ganzen Reisegruppe nach Chinatown gehen sollte. Ich entschied mich mit zwei guten Freunden in einen nahegelegenen Pub zu gehen und (entgegen des allgemeinen Alkoholverbots auf der Fahrt) noch ein paar Pint zu vernichten.
Praktischerweise lief in eben jenem Pub der Lieblingssport eines jeden, betrunkenen, mit Fanschal ausgestatteten, Londoners: Premier League Soccer, stilecht auf Sky Sports. Und siehe da: die Lokalhelden von Chelsea London spielten gegen meine pseudo-Wahlheimat Manchester City.
Als wir unser erstes Pint bestellten, führte Chelsea noch 1:0. Doch bereits zur zweiten Pint hatten die “Citizens” ausgeglichen.
Man muss hier bemerken, dass wir von Chelsea-Hardcore Fans umkreist waren und nun aus jeder Himmelsrichtung diverse “Wuuuaaahh, fuck that referee!” und “Get this faggot out of that game!” zu hören waren. Außerdem flogen Fanschals und leere Pintgläser von Tisch zu Tisch.
Der Engländer ist besessen von Soccer…
Als dann pünktlich, zur mittlerweile vierten Pint, ManCity mit 2:1 in Führung ging, war jede Hoffnung verloren. Aber als Außenstehender geniesst man sein Bier, lässt den Tag gemeinsam Revue passieren und macht sich still und heimlich über die besoffenen Fanatiker um einen herum lustig.
Da der Abend immer mehr in die Nacht überging und wir unseren Treffpunkt noch on-time erreichen wollten, zahlten wir. Die junge und ehrlich gesagt, rattenscharfe Bedienung fragte nocheinmal: “Where are you from guys? You have a funny accent.” und als wir ihr sagten, dass wir aus Deutschland sind, lehnte sie sich zu den am Nachbartisch lauschenden Briten und meinte “Fuck! Someone gotta call the Queen, the Germans are back again!” – Und löste damit allgemeines Gelächter unter den Einheimischen aus – netter Arsch und netter Humor, passt!
( *Der Originalname wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt ;P )
Welche kuriosen Sachen auf unserer letzten Etappe noch auf uns warteten, erfahrt ihr in Teil4 meines London Kurztrips – stay tuned!
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