Meine heimliche Sonntagsdroge…
Wer André Mielke nicht kennt, ist selbst schuld und verpasst etwas, meiner Meinung nach. Ich selbst bin durch meinen Bruder auf ihn aufmerksam geworden, da mein Bruder die BamS und deren etwas seriösere Schwester, die WamS austrägt. Mielke schreibt eine satirische, manchmal sozialkritische Kolumne für eben diese Welt am Sonntag, die für mich das wahrscheinlich Interessanteste an der ganzen Zeitung ist. Sie ist quasi meine kleine Sonntagsdroge und jedesmal kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn ich “Mielke murrt” lese. Er bringt die vergangene Woche immer ziemlich treffend in wenigen Worten unter, ohne seinen Sarkasmus dabei zu verlieren. Ich möchte euch deshalb die Aktuelle Ausgabe seiner Kolumne nicht vorenthalten:
Mielke murrt: Günther Oettingers schriller Mut
von André MielkeWir können alles. Außer Hochdeutsch. Bisher galt dies als ironische Selbstbeschreibung der Insassen Baden-Württembergs. Doch nun gibt es einen schrecklichen Verdacht: Die meinen das ernst. Ihr scheidender Landesvater Günther Oettinger hat mit seinem auf YouTube dokumentierten Versuch, einen englischen Text einem englischsprachigen Publikum vorzulesen, zwar verdienstvollerweise unterstrichen, dass sich vor einem Staat mit solchen Führungsfiguren nun wirklich kein Nachbar mehr zu fürchten braucht. Andererseits löste dieser Auftritt auch Besorgnisse aus, und das weniger wegen der dort verübten Notzucht mit Vokabeln als angesichts der Tatsache, dass Oettinger offenbar im festen Glauben ans eigene Sprachvermögen aufs Podium getreten war.
Wer weiß schon, zu welchen Leistungen dieser Mann sich womöglich noch befähigt fühlt? Deshalb herrschte am Mittwoch in San Francisco große Erleichterung, als Apple-Gründer Steve Jobs das am heißesten ersehnte Kaffeetablett der Welt präsentierte. Viele Medienvertreter hatten mit Günther Oettinger gerechnet. Zugetraut wird ihm auch, dass er sich zutraut, bei der Fußball-WM die nach der Verletzung von Simon Rolfes entstandene Lücke im defensiven Mittelfeld der deutschen Elf zu füllen. Und wenn Stefan Raab ab übermorgen unter dem Motto „Unser Star für Oslo“ unseren Kandidaten für den Eurovision Song Contest sucht, dann ist Oettinger wohl auch am Start.
Aber in welcher Sprache? Oder tanzt er doch besser zu einem Instrumentalstück? Das derzeit schrillste Gerücht ist, Oettinger werde im Rahmen eines Aussteigerprogramms für deutsche Politiker „unser Star in Brüssel“. Beziehungsweise „Ennhatschieminister of kommpleet Juropp“. Aber das ist nun wirklich zu bizarr, um wahr zu sein.
(Welt am Sonntag vom 31.01.10)






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